20. Mai 2026, 14:10
Lesezeit: ca. 4 Min

Objo betritt den Raum

Wer verstehen will, was Objo ist und warum es mich begeistert, muss kurz mit mir in die Vergangenheit zurück. Denn meine Geschichte mit BASIC-Dialekten beginnt nicht heute, sie reicht weit zurück bis zu den Homecomputern der 80er.

Ich bin ein “BASIC-Guy”, schreibe ich in die README meiner Repos auf Codeberg.1 Was einst mit PowerBASIC und Microsoft Visual Basic begann, reichte über Xojo zu Free- und PureBasic. Die zwei zuletzt genannten Dialekte nutze ich noch heute für leistungsstarke, hardwarenahe und vor allem kleine Tools, die sich in Sachen Performance nicht hinter C- oder C++ verstecken müssen. Jedesmal freue ich mich wie eine diebische Elster, wenn ich mit einem kleinen und schnell geschriebenen Tool Probleme “mal eben” lösen kann, während andere mit viel Aufwand und modernen Frameworks noch nicht einmal angefangen haben.

Ab 2007 war Xojo meine Wahl für ein leistungsfähiges Rapid Application Development (RAD).2 Ich konnte damit Cross-Platform Anwendungen sowohl für Windows, macOS und Linux entwickeln. Darunter Minicalc, eine komplette ERP-Lösung für ein Bauunternehmen. Zahlreiche weitere Programme landeten damals im noch jungen Apple Mac App Store.

Video im AV1-Format. Wenn Sie es nicht sehen, nutzen Sie einen Browser/App (noch) ohne AV1-Unterstützung.

Der Apple-Welt habe ich bekanntlich den Rücken gekehrt. GNU/Linux ist seit knapp einem Jahrzehnt mein Daily Driver. Die Projekte von damals sind längst Geschichte. Das Gleiche gilt leider auch für Xojo. Einige ausgesprochen fragwürdige Produktentscheidungen (API 2.0, Rapid Release Modell) und die Art und Weise im Umgang mit der Community, haben vor Jahren nicht nur mich, sondern auch einen großen Teil der professionellen Anwender vergrault. Auf “if not nil” tauschten wir “Xojo Senioren” uns weiterhin aus und stellten uns gegenseitig unsere Projekte vor.3

Dann veröffentlichte vor zwei Wochen Garry Pettet aus England dort einen Beitrag, der uns regelrecht aus der Nostalgie wachgerüttelt hat.4 Gemeinsam mit einem kleinen Team hat er in den vergangenen Jahren an einer neuen Programmiersprache gearbeitet: Objo5 Ein moderner BASIC-Dialekt auf Basis von .NET und Avalonia.6

Objo ist ein modernes BASIC

Wer früher mit Xojo gearbeitet hat, wird sich in Objo schnell zurechtfinden. Der Name ist mit Bedacht gewählt und erinnert natürlich an Xojo. Gleichzeitig wirkt vieles deutlich moderner und konsequenter gedacht. In Objo ist alles objektorientiert. Das erleichtert den Einstieg in die Softwareentwicklung ohne dabei den typischen BASIC-Charme zu verlieren.

Screenshot Objo Studio

Für die eher professionellen Anwender bietet Objo einen CLI-Compiler, der sich deutlich besser in Makefiles, Bash-Skripte und moderne Build-Prozesse integrieren lässt. Der Grund, warum ich das leider extra betonen muss: Xojo hat sich dessen immer verweigert.

Die Entwicklungsumgebung “Objo Studio” hinterlässt bereits einen erstaunlich runden Eindruck. Mit an Bord sind ein visueller UI-Designer, Debugger, Projektverwaltung und selbstverständlich ein Editor. Letzterer fühlt sich subjektiv “snappier” an als das, was ich zuletzt bei Xojo gesehen habe. Alles ist angenehm fokussiert.

Mit Avalonia UI setzt er auf ein starkes Zugpferd. Die Controls werden größtenteils umgesetzt, lediglich die kostenpflichtigen Features fehlen. Hier hat aber Garry angedeutet, dass er plant, einige für Objo selbst umzusetzen.

Unklar ist noch, wie die Unterstützung von Plugins aussehen wird. Aus der Xojo-Welt bekannte Plugin-Autoren wie Einhugur haben da bereits Interesse bekundet und nachgefragt. Theoretisch steht Objo die komplette Bandbreite der .NET Welt offen.

Screenshot Objo Studio

Natürlich ist Objo noch jung. Man merkt an vielen Stellen, dass das Projekt noch frisch ist. Aber genau darin liegt auch ein gewisser Reiz. Schon jetzt beweisen Garry und sein Team, dass sie deutlich mehr Community-driven arbeiten, als ich es jemals bei Xojo erlebt habe. Issues werden im BugTracker prompt beantwortet und sehr schnell umgesetzt.7 Auch wenn es sich hier um ein Closed Source und ein gewerbliches Projekt handelt, ist das für Garry Passion und “Sideproject”. Im wirklichen Leben ist er Doktor der Radiologie.8

Ich mag Objo. Es macht Spaß, ein frisches RAD-Tool wieder in der Hand zu halten. Wer hätte gedacht, dass mich im Jahr 2026 ein neuer BASIC-Dialekt derart positiv überrascht und neugierig macht. Es bleibt auf meiner Watchlist. Sobald sich ein kleines Projekt anbietet, probiere ich es aus.

In diesem Sinne,
Euer Tomas Jakobs

© 2026 Tomas Jakobs - Impressum und Datenschutzhinweis

Mitglied im UberBlgr Webring:   < Zurück > Weiter >  

Unterstütze diesen Blog - Spende einen Kaffee