Niemand kommt auf die Idee, seine Haustür das ganze Jahr über offen zu lassen, damit der Schornsteinfeger bequem Zugang zur Heizung hat. Genau dieses Prinzip akzeptieren jedoch viele Unternehmen bei ihrer Fernwartungssoftware für externe Dienstleister.
Seit vielen Jahren schreibe ich, dass Teamviewer, stellvertretend für eine ganze Branche an proprietärer Fernzugriffs- und Fernwartungslösungen, nichts auf produktiven Systemen zu suchen hat. Das Problem ist nicht ein einzelner Hersteller, sondern das Konzept und die implizite Architektur dahinter: Ein Dienst erhält weitreichende Systemrechte, muss mit dem Internet verbunden sein und ermöglicht einen weltweiten, nicht transparent kontrollierbaren Zugriff.
Eine kurze Zusammenstellung schwerwiegender Sicherheitsvorfälle nur für ein Jahr, nur für einen Hersteller:
- 28.01.2025 - Rechteausweitung1
- 26.06.2025 - Rechteausweitung2
- 15.12.2025 - Rechnerübernahme3
- 06.02.2026 - Unzureichende Zugriffskontrollen4
Das war die letzte Zeit bei Teamviewer. Über AnyDesk möchte ich gar nicht erst anfangen.5
Es geht besser
In zahlreichen Beiträgen zeige ich, wie es besser geht, z.B. mit Guacamole und einem GNU/Linux-Terminalserver als Jumphost6 oder mit Rustdesk.7 Beides Open-Source Lösungen, die unter eigener Kontrolle stehen und zudem kostenlos sind. In vollständig isolierten Bereichen, etwa in Produktionsanlagen, ist sogar das altehrwürdige VNC beziehungsweise eines seiner moderneren Derivate vertretbar.8 Auch freie RMM-Systeme9 wie z.B. TacticalRMM bieten Fernwartungsfunktionen, ohne dass man sich einem proprietären Anbieter mit Cloud und Abomodell ausliefern muss.10
Open Source ist dabei kein Selbstzweck und selbstverständlich auch nicht frei von Sicherheitslücken.11 Der entscheidende Vorteil besteht darin, die vollständige Kontrolle zu behalten. Statt einem externen Anbieter vertrauen zu müssen, lässt sich die gesamte Sicherheitsarchitektur nachvollziehen und kontrollieren, mit den eigenen Spezifikationen.
Umgang mit Sicherheitsproblemen ist entscheidend
Zu den Sicherheitsproblemen kommt aktuell eine amtlich dokumentierte, mangelhafte Kommunikationspolitik. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verhängte gegen TeamViewer ein Bußgeld von 240.000,- EUR. Anlass war ein Sicherheitsvorfall aus dem Jahr 2024. Dem Handelsblatt zufolge war das Unternehmen seinen gesetzlichen Informationspflichten nicht ordnungsgemäß nachgekommen und hätte eine Ad-Hoc-Meldung geben müssen.12
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hält schwerwiegende Cyber-Vorfälle in aller Regel für ad-hoc-pflichtig, weil der Kapitalmarkt darauf sensibel reagiert.
Sicherheit endet nicht bei der Software. Ein offener und transparenter Umgang mit Sicherheitsvorfällen ist genauso wichtig. Hier wurde ein Hersteller auf frischer Tat erwischt, Dinge zu verheimlichen.

Die Zeiten von Teamviewer & Co sind vorbei
Das sage nicht ich, sondern die bisherige Eigentümerin Permira, die im September 2025 nach über einem Jahrzehnt ausgestiegen ist.13 Smarte KI-Perspektiven scheinen für Permira nicht überzeugend genug zu sein.
Ransomware-Angriffe kommen selten auf direktem Wege. Es ist viel wahrscheinlicher, dass diese über externe Dienstleister und Lieferanten in ein Unternehmen kommen.14 Wer sie einsetzt, sollte sich deshalb nicht nur fragen, ob der Komfort den Preis wert ist, sondern ob diese Angriffsfläche überhaupt notwendig ist.
Die beste Fernwartungslösung ist diejenige, die gar nicht erst vorhanden ist. Und wenn unvermeidbar, dann diejenige, die vollständig kontrolliert bleibt.
Wem die vorgeschlagene Kombination aus Guacamole und GNU/Linux-Terminalserver zu kompliziert ist, kann im einfachsten Fall einzelne Arbeitsplatzrechner als Jumphosts nutzen, die ausschließlich bei Bedarf ein- und anschließend wieder ausgeschaltet werden. Selbstverständlich netzwerktechnisch isoliert in getrennten vLAN, intern verbunden nur mit den tatsächlich benötigten VNC-Ports, durchgelassen von einer Firewall.
Was nicht dauerhaft erreichbar ist, kann auch nicht ständig angegriffen werden oder intern lateral missbraucht werden.15
Oder anders formuliert: Ein Schornsteinfeger braucht einen Schlüssel, keine dauerhaft offene Haustür.
In diesem Sinne,
Euer Tomas Jakobs
https://blog.jakobs.systems/blog/20231010-supplychain-management/ ↩︎
https://en.wikipedia.org/wiki/Remote_monitoring_and_management ↩︎
https://handelsblatt.com/technik/it-internet/nach-cyberattacke-bafin-verhaengt-geldbusse-gegen-teamviewer/100241418.html ↩︎
https://www.permira.com/portfolio/our-portfolio/teamviewer ↩︎
https://blog.jakobs.systems/blog/20220604-hacker-hacken-hirne/ ↩︎
https://en.wikipedia.org/wiki/Lateral_movement_(cybersecurity) ↩︎